18.09.2018

Photovoltaikanlagen für Gewerbebetriebe - Interview mit Bastian Arend

Herr Arend, Sie sind Geschäftsführer der Firma clear sky energietechnik GmbH in Heidelberg. Macht Ihnen nicht die sinkende Einspeisevergütung Sorgen?

Hier muss man eine differenzierte Antwort geben. Maßgebend für eine sinnvolle Investition sind ja nicht nur die Einspeisevergütungen, sondern auch das eingesetzte Kapital, kurz gesagt, die erwirtschaftete Rendite. Und die liegt i. A. immer noch in einem lukrativen Bereich. Zudem wird mittlerweile der Eigenverbrauch immer interessanter.

Was bedeutet Eigenverbrauch? Erklären Sie uns das bitte genauer.

Ganz einfach, der von der Photovoltaikanlage erzeugte Strom wird zunächst selbst verbraucht und nur der überschüssige Strom in das öffentliche Netz eingespeist.

Ist der Strom von Photovoltaikanlagen nicht sehr teuer?

Nein. Je nach Anlagengröße können Sie mit 9 bis 13 Cent Stromentstehungskosten je kWh rechnen. Die Kosten liegen also unter denen für Unternehmen sonst üblichen Strombezugskosten. Und sie bleiben konstant niedrig - anders als bei dem bisherigen Strombezug am Markt.

Dann würde sich ja eine eigene Photovoltaikanlage für jeden Verbraucher rentieren!

Im Prinzip ja. Photovoltaikanlagen lassen sich auf nahezu jedem Dach installieren, laufen wartungsfrei und amor­tisieren sich in kurzer Zeit. Nur müssen natürlich die örtlichen Gegebenheiten berücksichtigt werden. Z. B., wie groß ist die Dachfläche, gibt es Verschattungsprobleme, wie ist die Ausrichtung der Dachfläche. Eine West – Ostausrichtung wird heute übrigens als ideal angesehen, besonders für Gewerbebetriebe.

Wieso gerade für Gewerbebetriebe und wieso West – Ostausrichtung?

Gewerbebetriebe arbeiten meist von morgens bis abends und da fällt naturgemäß auch der größte Stromverbrauch an. Mit einer West – Ostausrichtung haben Sie, angefangen mit der Morgensonne bis zur Abendsonne, den ganzen Tag über einen optimalen Stromertrag. Und das ist genau die Zeit, in der im Gewerbe am meisten Strom benötigt wird.

Wie kann ein Gewerbebetrieb herausfinden, ob eine Photovoltaikanlage eine sinnvolle Investition ist?

Dafür sind wir da. Zuerst ermitteln wir, für welche Anlagengröße die Dachflächen geeignet sind und welche Strommengen erzeugt werden können. Wie schon erwähnt, der Standort des Daches, die Ausrichtung, Neigung und Größe der nutzbaren Dachflächen spielen dabei eine Rolle. Wir ermitteln, wenn möglich aus der Aufzeichnung des bisherigen Strom­bezugs (Lastgangzählung), wann im Tagesverlauf wie viel Strom verbraucht wird oder nutzen unsere verschiedenen Verbrauchsprofile. Das heißt, bei Büroflächen gehen wir von anderen Verbrauchspro­filen aus als bei Lager- oder Produktionsflächen.

Nun scheint die Sonne ja nicht immer. Was ist mit dem Strombezug in dieser Zeit?

Den bezieht man üblicherweise aus dem öffentlichen Netz. Denkbar sind natürlich auch beispielsweise Kombinationen mit Blockheizkraftwerken, Wärmepumpen und Windkraft.

Wie viel Prozent des jährlichen Strombedarfs kann man denn durch eine Photovoltaikanlage decken?

Auch das hängt natürlich von den örtlichen Gegebenheiten ab. Um die optimale Auslegung der Solarstromanlage zu bestimmen, gleichen wir das Lastprofil des Betriebes mit der möglichen Solarstromproduktion am jeweiligen Standort ab. Auf dieser Basis planen wir die richtige Anlagengröße, um  einen möglichst hohen Eigenverbrauchsanteil bei günstigen Stromerzeugungskosten erreichen. Hier sind eine Autarkiequote von 50 % und Eigenverbrauchsquoten von 70% und mehr keine Utopie mehr.

Können Sie uns ein Beispiel nennen, welche Einsparmöglichkeiten ein Betrieb dadurch hat?

Gerne. Mit einer Photovoltaikanlage mit 260 kW Spitzenleistung können beispielsweise 30% des Jah­resenergiebedarfs abgedeckt werden. Dabei wird 70% des Photovoltaikstroms selbst verbraucht und 30% an den Netz­betreiber verkauft. Bei einer Investition von 330.000 Euro zzgl. der Betriebskosten ergibt sich nach 20 Jahren ein Vorteil von 586.500 €.
In den darauffolgenden Jahren beziehen Sie fast kostenlos Ihren eigenen Strom vom Dach.

Das klingt überzeugend. Wie sehen Sie die Zukunft der Photovoltaik?

Es ist kaum zu erwarten, dass die Strombezugspreise in den nächsten Jahren sinken werden. Man kann von durchschnittlich 3,5% Strompreissteigerung pro Jahr ausgehen. Und damit werden die Differenz zum selbsterzeugten Strom und somit auch das Einsparpotenzial immer größer. Sie sehen, die sonnigen Zeiten liegen erst vor uns.